Fila Brasiliero

Ursprungsland: Brasilien

 

„Um den Fila zu verstehen, muss man einen solchen besitzen“

Geschichte

Wie in alten schriftlichen Hinweisen festgehalten ist, brachten die Konquistadoren ihre Hunde mit nach Brasilien als Beschützer, Jagdhunde und Mitstreiter. Z.B. führte Christoph Kolumbus auf seinen Schiffen Hetz-, Spür- und Hühnerhunde mit. Abbildungen dieser verschiedenen Hundetypen sind auf Bildern alter Meister zu sehen. Die Rasse Fila Brasileiro entstand aus Kreuzungen der spanischen und portugiesischen Hunde, wobei später auch Doggen und Mastiffs zur Vermehrung beitrugen; heute noch ist das Erbe des Bloodhound, (also Schweisshund für Wild und entlaufene Sträflinge) sehr gut im Fila zu erkennen. Angeblich sollen das  Aussehen und der Charakter des Alano im Fila noch zu finden sein.

Dr. Paulo Santos Cruz, Dr. Erwin Rathsam und Dr. Joao Ebner schrieben 1968 den ersten offiziellen Standard des Fila Brasileiro. Zu dieser Zeit war der Fila vor allem als reiner Arbeitshund tätig. Mit der Zeit wurde er dann an Ausstellungen gezeigt; von den  meisten Arbeitsfilas besass man nicht einmal einen Pedigree.

Die Anerkennung der Rasse erfolgte erst 1946 durch die Bemühungen von Dr. Paulo Santos Cruz. Der Fila Brasileiro untersteht in Brasilien mehreren Spezialvereinen, der Grösste ist der „Clube Paulista do Fila Brasileiro“ (KCP). Der CBKC „Confederacao Brasil Kennel Club“ vertritt die Vereine bei der FCI.  Der neue Dachverband „Associacao Cinologica do Brasil (ACB) wird von mehreren Vereinen, Richtern und  Mitgliedern der Kynologischen Vereinigung unterstützt.  Der CAFIB „Comissao de Aprimoramento do Fila Brasileiro“  wurde aus Gründen der rigorosen Reinzucht des Fila im Jahre 1979 gegründet. Im Jahre 1979 / 1980 erhielt der CAFIB vom brasilianischen Landwirtschaftsministerium die Bestätigung der absoluten Reinzucht des Fila Brasileiro. Der CAFIB wird bis heute vom FCI nicht anerkannt.


Erscheinungsbild

Wesen / Charakter

Aktivitäten

In Brasilien werden die Filas zum Erlangen des Championtitel an Ausstellungen auf ihr Wesen geprüft; Stock und Schuss.

„Faithful as a Fila“ ; in Brasilien ist  „treu wie ein Fila“   zum Sprichwort geworden. Die Nähe zu seinem Besitzer ist eines seiner Grundbedürfnisse. Er ist ein Zehensitzer, d.h. damit sind nicht seine Zehen gemeint sondern die des Halters. Alles und alle zur Familie gehörenden Personen werden von ihm aufopfernd geliebt und bedingungslos verteidigt. Der Fila kann dieser Aufgabe nur gerecht werden, wenn er im Haus und Hof / Grundstück frei gehalten wird.  Bei Zwingerhaltung verkümmert sein Talent und er wird zu einem aggressiven Psychopathen.

Sein Misstrauen, die sogenannte „Ojeriza“, gegenüber Fremden, ist ein bedeutendes Merkmal seines Charakters und ist in einigen Ländern Europas nicht mehr erwünscht. Um an Ausstellungen bestehen zu können und einen pflegeleichten Hund für die immer dichtgedrängtere Population in Stadt und Land verkaufen zu können, wird diese Ojeriza in einigen Zuchten unterdrückt und ausgemerzt. Sein unbedingter Wunsch, seinen Besitzer zu beschützen, darf nicht mit Aggression verwechselt werden. Ein nervenstarker und ausgeglichener Hund benimmt sich in der Oeffentlichkeit ruhig und gelassen, wird aber auf einer gewissen Distanz zu seinem Gegenüber beharren. Blitzartig wird er, auch aus vermeintlich tiefem Schlaf,  reagieren. Der Fila sucht sich selbst die erwünschte Nähe zu Freunden der Familie, Nachbarn, anderen fremden Hunden und lässt sich ein Annäherungsversuch nicht aufdrängen.

Sehr typisch ist sein Passgang, der an die Bewegung einer grossen Raubkatze erinnert.

Die eigentliche Verwendung dieser Rasse besteht zum Teil heute noch im Beschützen und Treiben der wehrhaften Rinderherden, nicht nur in Brasilien, auch in europäischen Ländern. Als Jagdhund gegen Wild und vor allem gegen den brasilianischen Jaguar, den Onca, hat er sich verdient gemacht. Da der Fila ein sehr dominantes, territoriales und selbständiges Wesen hat, ist die Jagdausbildung mit andern Hunden schwierig. Heute allerdings besteht mehrheitlich seine Aufgabe im Schutz- und Wachdienst. Dennoch kann man in Brasilien auf grossen Fazenden noch bis zu 50 Filas in Rudeln zusammen lebend sehen, von einer Person betreut, die sie füttert und pflegt.

Auf Grund seiner Selbständigkeit und einer gewissen Sturheit eignet sich der Fila nicht als Sporthund. Es sei denn, man verfügt über viel Fingerspitzengefühl und ausdauernde Geduld, um seinem Charakter den entsprechenden Gehorsam abzuringen. Er liebt es nicht, mehrmals die gleichen Uebungen zu wiederholen und wird diese verweigern. Ihn auf den Hetzärmel zu trainieren ist ein hohes Risiko; er hat das Spiel schnell durchschaut und wird darum „unsportlich“ reagieren und vielmehr in Hals, freien Arm oder Beine beissen. Der Fila verbeisst sich auch nicht wie z.B. ein bulldoggartiger Typ, sondern er zwickt, schnappt und wendet blitzschnell, wie er es für das Treiben und Abwehren bei wilden Kühen gelernt hat. Auf diese Art kann er den gefährlichen Hörnern ausweichen. Dank seiner dicken losen Haut ist er beim Durchstreifen dichten Unterholzes und Angriffe wilder Tiere oder seiner Artgenossen relativ gut geschützt.

 

© by Barbara Kissling